Miete Deutschen

warum mieten die Deutschen lieber als zu kaufen

Ende 2017 lebten sieben von zehn Menschen in der EU in ihren eigenen vier Wänden. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung wohnt jedoch zur Miete, und laut Prognosen von Trading Economics wird dieser Trend nur noch zunehmen. Tranio geht der Frage nach, warum sich die Deutschen für die Miete statt für den Kauf entscheiden.

Was sind die Vorteile des Mietens in Deutschland?

Die deutsche Regierung fördert das Mieten – das Land hat eine mieterfreundliche Wohnungspolitik, die in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt wurde.

Wie Quartz berichtet, war das Gleichgewicht zwischen privaten und öffentlichen Immobilieninvestitionen in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg gesünder.

Von den 16 Millionen Wohnungen, die es vor dem Krieg gab, wurden fast 6,5 Millionen durch die Bombardierung während des Konflikts unbewohnbar. Um die verarmte Bevölkerung zumindest vorübergehend mit Wohnraum zu versorgen, baute die deutsche Regierung mehr bezahlbare Wohnungen.

Heute sind die Mietpreise für Immobilien in Deutschland im Verhältnis zu den Kaufpreisen niedriger. Dies lässt sich am Beispiel der drei größten deutschen Städte nachweisen: Berlin, München und Hamburg. Wie der Preis-Miet-Index zeigt, amortisieren sich in diesen Städten gekaufte Wohnungen erst nach 28-30 Jahren Mietdauer für Berlin, 24-29 Jahren für Hamburg und 37-39 Jahren für München. Bei den Hypothekenzinsen wird es sogar noch länger dauern.

Heute steigen die Mietpreise im Lande aufgrund des wachsenden Zustroms von Einwanderern an. In diesem Jahr lag der durchschnittliche Mietpreis für Wohnungen in der deutschen Hauptstadt bei 1.100 €. Deshalb plant die Stadt Berlin für 2020 ein Gesetz, mit dem die örtlichen Mietpreise für fünf Jahre eingefroren werden sollen, um den Anstieg zu stoppen.

Die Mietpräferenz wird durch das Hypothekensystem beeinflusst

In Deutschland wird der Erwerb von Wohneigentum nicht gefördert. Hauseigentümer können Hypothekenzinsen nicht von der Steuer absetzen.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die Hypothekenzinsen in Deutschland moderat: 1,79 % im ersten Quartal 2019, laut Statista.com. Die niedrigsten Sätze auf dem Kontinent finden sich in Dänemark (0,78 %), die höchsten in Polen (6 %).

Ein weiterer Grund, warum die Deutschen den Kauf von Immobilien weniger attraktiv finden als das Mieten, ist, dass Hypotheken in der Regel nur an Personen vergeben werden, die es sich leisten können, 40-50 % des Immobilienpreises im Voraus zu zahlen, sowie die Makler-/Notargebühren und Steuern. Eine Hypothek deckt normalerweise bis zu 70 % des Marktwerts der Immobilie ab.

Die Transaktionskosten liegen in der Regel zwischen 9 und 15 % und hängen von der jeweiligen Stadt ab. In München betragen sie beispielsweise durchschnittlich 9,1 %, in Berlin 15,2 %. Allerdings machen die niedrigen Transaktionskosten das Wohnen in München nicht erschwinglicher als in Berlin, denn in München sind die Immobilienpreise die höchsten im Land.

Junge Menschen steigen später ins Berufsleben ein

Immer weniger junge Menschen in Deutschland haben die Möglichkeit, eine Immobilie zu erwerben. Von 2010 bis 2017 schrumpfte der Anteil der 25- bis 34-Jährigen an der Gesamtbevölkerung um 30 %, was einem Anteil von 12 % entspricht.

Die Bildung ist in Deutschland kostenlos. In den zehn Jahren bis 2017 stieg der Anteil der Bevölkerung mit einer Berufsausbildung um 10 %, während die Zahl der Bachelor- und Masterabsolventen zwischen 2014 und 2017 um mehr als 70 % zunahm. Es ist natürlich ermutigend, dass mehr Deutsche eine gute Ausbildung erhalten, aber es bedeutet auch, dass junge Menschen erst später im Leben in eine bezahlte Karriere einsteigen und daher in der Regel nur genug Geld für die Miete haben und vielleicht in Teilzeit arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, bevor sie ihr Studium abschließen.

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Paul Weber

Paul Weber ist ein freiberuflicher Autor, der ein breites Themenspektrum abdeckt, darunter persönliche Finanzen, Automobilbewertungen, Reisen, Nachrichten und Trends, Unterhaltung und Bildung. Er hat einen umfangreichen journalistischen Hintergrund, in dem er für mehrere Print- und Online-Publikationen geschrieben und berichtet hat.